Die monatliche Kolumne
Flow oder Nicht-Flow„Wenn Dir Deine Arbeit Spaß macht, musst Du nie mehr arbeiten. Ich habe jetzt also eigentlich Urlaub.” Das war der Lieblingsspruch von meines Professors in der Ausbildung, und er hat dabei so spitzbübisch gegrinst, dass man es ihm glauben musste. Meine Nachbarin jedoch stöhnte immer, weil direkt vor ihrem inneren Auge Bilder ihrer Arbeitssituation aufstiegen. In der gemeinsamen Lernsituation allerdings war sein Spruch durchaus nachvollziehbar.
Mich erinnert das an den Zustand des FLOW (engl.: fließen, rinnen, strömen), dieses völlige Aufgehen in einer Tätigkeit. Im Deutschen auch als Schaffens- oder Tätigkeitsrausch übersetzt. Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi hat diesen Begriff geprägt und den Zustand des Flow dem Bereich zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile) zugeordnet. Ein Zustand, in dem Aufmerksamkeit, Motivation und die Umgebung in einer Art produktiver Harmonie zusammentreffen. Man gerät gleichsam in einen Phase der Selbstvergessenheit, die allerdings als solche auch bewusst wahrgenommen wird und von uns steuerbar ist.Sich selbst vergessen im Sinne von nicht aufmerksam sich selbst gegenüber sein, ist eigentlich mein Stichwort. Schaffenskraft und Tätigkeitsrausch schützen einen per se nicht davor, „sich selbst zu vergessen”. Das passiert auch denen, die mit viel Spaß ihre Arbeit machen, die förmlich für ihre Arbeit brennen. So sehr, dass sie oft gar nicht merken, dass sie immer mehr Aufgaben übernehmen und versuchen diese mit dem stets gleichen Energieniveau zu erledigen. Und auf einmal können diese Menschen – scheinbar von einem Tag auf den anderen – nicht mehr für Ihre Arbeit brennen, denn Sie sind ausgebrannt. sie sind vom Schaffensrausch direkt in den burn-out gerauscht. Der Zustand des FLOW wurde unbemerkt schon lange verlassen, denn im burn-out steuere ich gar nichts mehr. Die Betroffenen haben oft jeglichen Kontakt zu sich selbst verloren und fühlen sich wie von außen gesteuert.
Wir wissen heute, dass es sich dabei nicht um eine typische Managerkrankheit handelt, sondern dass es alle treffen kann: Personen des öffentlichen Lebens, den Dienstleister genauso wie die Hausfrau. Und die Fälle zeigen, dass es immer Hinweise oder gar Warnsignale gab, die uns hätten aufhorchen lassen sollen. Haben Sie etwa in Ihrem Bekannten-, Freundes- oder Kollegenkreis noch jemanden, inklusive der eigenen Person, der nicht irgendwann einmal über Rückenschmerzen, nicht durchgeschlafene Nächte oder immer wiederkehrende grüblerische Gedanken geklagt hat? Das scheint doch irgendwie normal zu sein, oder? Dabei geht es nicht darum, uns alle in Watte zu packen und möglichst wenig zu arbeiten und selbst Spaß und Zufriedenheit sind in der Regel Ergebnis von längerer oder größerer Anstrengung.Doch es gilt, diese Anzeichen der Erschöpfung wahrzunehmen und darüber ins Gespräch zu kommen. Es geht darum, sich die Fähigkeit zu erhalten, mitten im Stress inne zu halten und sich Fragen zu stellen. Danach was einem wichtig ist, was für einen Sinn macht, was zählt und dass man sich selbst und seine Bedürfnisse ernst nimmt und das Steuerrad in der Hand behält.
